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Zweigespräch: Diskussion über die Frauenquote

Es folgt (aus aktuellem Anlass) ein Zweigespräch zwischen @Streitsucht und mir:

Streitsucht: Los, angetreten. Diskussion über die Frauenquote!

nplhse: Was willst du denn überhaupt diskutieren?

Streitsucht: Guten Tag, es gibt das Pro und Contra zu diskutieren. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob das einen Effekt auf das Resultat haben wird.

nplhse: Ich bin mir sicher, dass diese Diskussion keinen spürbaren Effekt haben wird. Zumindest solange sich ein so großer Teil er Piraten als “Postgender” betrachtet und deswegen der Meinung ist, es gäbe kein Problem.

Streitsucht: Ich denke aber aus genau diesem Grund müssen wir das Thema noch einmal diskutieren. Es gibt Gründe. Aber fangen wir von vorne an. Wie stehst du zur Frauenquote?

nplhse: Prinzipiell löst die Frauenquote nicht das Problem als solches, von daher betrachte ich sie eigentlich als problematisch. Sie erzeugt erst einmal nur eine “künstliche” Gleichstellung von Frauen und Männern, aber es ist die einzige mir bekannte Lösung für das bekannte Problem der Ungleichheit von Geschlechtern. Denn damit sich die Einstellungen der Menschen zur Gleichstellung verändern können, muss offenbar erst die derzeitige gesellschaftlich/ kulturelle Realität, über solche Maßnahmen verändert werden.

Streitsucht: Ich kann zwar noch nicht fassen, dass ich das schreibe, aber ich bin mittlerweile ebenfalls für eine Quote. Vielleicht nicht innerhalb der Partei oder innerhalb sonstiger nicht-staatlicher Organisationen, aber in Wirtschaft und staatlichen Strukturen (hierfür fällt mir kein besserer Begriff ein… gemeint sind Ämter).

nplhse: Aber eine Partei ist doch auch eine Struktur in diesem Staat? Letztendlich sogar eine sehr wichtige, da sie die politischen Willensbildung dient.

Streitsucht: Das kommt darauf an, finde ich. Unsere Partei führt kein Register über das Geschlecht. Wir können schwer festlegen, was eine sinnvolle Quote ist. Des Weiteren gilt bei Vorständen, dass sie im Hintergrund arbeiten sollen und eben nicht primär die Partei vertreten. Da ist das Geschlecht total egal.

nplhse: Und das ist auch gut so, wir befinden uns prinzipiell auf einem guten Weg die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts eines Menschen zu überwinden. Aber anzunehmen wir hätten das Ziel bereits ereicht, indem wir einfach erklären “Postgender” zu sein, funktioniert offensichtlch nicht. Und darum müssen wir Maßnahmen wie eine Frauenquote ernsthaft in betracht ziehen.

Streitsucht: Meinen Sinneswandel muss ich begründen. Noch vor wenigen Monaten sah ich die Quote sehr kritisch. Sie ist eine Ungleichbehandlung. Als empathischer Mensch konnte ich mich in den Bewerber hineindenken, der lange auf ein Ziel, den Aufstieg innerhalb eines Unternehmens, hingearbeitet hat und dann aufgrund der Quote nicht genommen wird. Auch wenn er faktisch vielleicht der bessere Kandidat gewesen wäre. Aber das zählt hier weniger, als eine viel wichtigere Erkenntnis: Die Ungleichbehandlung, die vor allem im Arbeitsleben sehr deutlich wird, ist ein Relikt aus der Vergangenheit, ein Fehler, den schon unsere Väter hätten lösen müssen.

Wir als aktuelle Generation haben sehr sehr viele Altlasten mitbekommen. Man muss nur Energiewende oder Atommülllager erwähnen. Das sind aktuelle Probleme, die unsere Generation lösen muss. Ähnlich verhält es sich mit der Frauenquote. Die Ungleichbehandlung muss weg. Wir können jetzt noch 20 Jahre warten und hoffen, dass es besser wird oder einfach akzeptieren, dass wir (Männer) zurückstecken müssen, falls die Zukunft besser werden soll. Wichtig ist aber, dass eine solche Regelung befristet ist und keine dauerhafte Lösung darstellt.

nplhse: Die Ungleichbehandlung ist nun einmal gesellschaftiche Realität, auch innerhalb der PIRATEN. Denn es ist mit nichten so als hätten Männer und Frauen die gleichen Chancen, wenn sie für Ämter oder Mandate innerhalb der PIRATEN kandidieren, wie alle bisherigen Listenaufstellungen gezeigt haben. Und auch Konzepte wie das “Kandidatengrillen” sind eher eine Art Männlichkeitsritual, die Kandidaten müssen sich dabei in einer Art Duell gegenüber dem Publikum beweisen. Sie müssen sich möglichst gut präsentieren, Fragen und Einwände möglichst gut parieren. Das erscheint mir ein typisch männliches Verfahren zu sein, in dem sich “der Beste” (männlich!) gegen alle anderen durchsetzt.

Streitsucht: Für das Problem fällt mir keine gute Lösung ein. Wir können das Kandidatengrillen einfach komplett abschaffen. Es gäbe dann keine Fragerunde mehr auf dem Parteitag. Die Fragen sollen alle im Vorfeld geklärt sein. Dennoch finde ich es wichtig eine Person auf dem Parteitag sprechen zu hören, zu erleben. Wie tritt die Person auf, wie argumentiert sie? Das sind subjektive Eindrücke, die ich brauche.

nplhse: Du hast natürlich Recht und ich will auch nicht die Vorstellung und Befragung von Kandidaten/innen auf einem Parteitag abschaffen, denn das sind wichtige Aspekt für die Wahl von Menschen. Aber es gilt die Art und Weise zu hinterfragen wie das passiert. Wir treten öffentlich immer für problemorientiete Politik ein, deshalb sollten wir einfach verschiedene Verfahren ausprobieren und anschließend die Ergebnisse evaluieren. Man könnte zum Beispiel nur Fragen aus einem gemeinsamen Pool für alle Kandidaten/innen zulassen und spezielle Fragen an Einzelne ausschließen.

Streitsucht: Das klingt nicht ganz so radikal, wie meine Idee die Fragerunde abzuschaffen. Dennoch könnte ich mich damit abfinden. Die Fragen können über ein Meinungsbildtool vorher abgefragt werden, die 10 häufigsten sollten mündlich beantwortet werden.

nplhse: Der für mich entscheidende Punkt daran ist, wir müssen uns als Partei endlich engestehen, dass da ein ernsthaftes Problem ist. Was das angeht bin ich prinzipiell optimistisch, aber vermute, dass es noch einige Zeit brauchen wird. Ich weiß nicht ob die letzte Konsequenz zwangsweise eine 50% Frauenqoute für Listen und Vorstände sein muss. Aber sie muss als Option auf den Tisch und im Idealfall auch “ausprobiert” werden. Ich meine, was könnten wir schon ernsthaft verlieren wenn wir Maßnahmen zur Gleichstellung von Geschlechern ausprobieren& evaluieren?

Streitsucht: Effektiver fände ich es, wenn Männer sich trauen würden, die diskriminierenden Alphamänner in ihre Schranken zu weisen. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, wie schwierig es ist vor versammelter Mannschaft aufzustehen und dort überhaupt nur zu sprechen. Dann noch ein Problem anzusprechen, womit man sich noch gegen einige wortgewaltige Männer stellt, ist eine ganze Ecke schwieriger.

nplhse: Das setzt aber einen kognitiven Prozess voraus, der aus der aktuellen gesellschaftlichen Situation heraus schwierig ist. Und an der Stelle kommt der große Vorteil der Frauenquote ins Spiel: Sie kommt “von oben” und erzeugt einen Zustand, der dann einfach so ist. Ein Zustand mit dem wir lernen müssen zu leben und der uns im Zweifel zum Nachdenken anregt.

Streitsucht: Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Ich glaube, wir haben es.

nplhse: Das stimmt… Aber ich habe zum Abschluss noch einen Vorschlag, an uns PIRATEN: Wir propagieren immer wieder etwas, dass wir auch als “evidenzbasierte Politik” beschreiben. Warum schaffen wir es nicht, das auf uns selbst zu übertragen? Denn wir können dabei nur gewinnen!

Das Problem ist offensichtlich, also ist uns möglich Zielkriterien zu definieren und (zeitlich begrenzt) Maßnahmen beschließen. Wenn wir feststellen, dass eine Frauenqoute keine Verbesserung in Bezug auf die Kriterien bringt, können wir an ihrer Stelle immer noch andere Verfahren ausprobieren. Und ja auch eine verordnete Gleichstellung der Geschlechter schafft Probleme, die Frage ist nur wie immer und überall: Wie ist das Verhältnis von Nutzen vs. Risiko bzw. Gewinnen vs. Verlusten? Aber das werden wir – ohne es wenigstens auszuprobieren – niemals erfahren.