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Die Piratenpartei und ihre Wählerschaft

Wie ihr vielleicht dem Aufschrei der Medien entnehmen konntet brachte die Friedrich-Ebert-Stiftung vor kurzem eine Studie unter dem Titel „Die Mitte im Umbruch – Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland“ heraus.

Auffällig war die hohe Zustimmung der Bevölkerung Deutschlands zu rechtsextremen Thesen, aber auch die Diskrepanz zu den Wahlergebnissen rechtsextremer Parteien. Daher wurde in der Studie auch aufgeschlüsselt in Anhänger*innen verschiedener Parteien und ihre Zustimmung zu den Thesen. Die Studie samt der abgefragten Thesen könnt ihr hier herunterladen: http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/

Vorweg möchte euch mit den Tabellen versorgen auf die ich mich zuerst beziehen will:

Zuerst springt ins Auge, dass die beiden Volksparteien hauptsächlich das rechte Wählerpotential in sich bündeln und so zu niedrigen Wahlergebnissen für rechtsextreme Parteien führen, trotz der großen Verbreitung rechtsextremer Thesen.

Untypisch ist der umgekehrte Ost-West Trend in der Anhängerschaft der Piraten. Die westdeutschen Anhänger*innen der Piratenpartei erzielen durchgehend höhere Werte als die ostdeutschen. Hier sollte auch angemerkt werden, dass Chauvinismus nicht einzig auf das Geschlecht bezogen ist sondern auf die Überzeugung zu einer überlegenen Gruppe zu gehören. So ergibt sich für die Piratenanhänger*innen der Spitzenplatz im Osten, abgesehen vom Antisemitismus den absurderweise an die Rechten Parteien abgeben. Das seltsam niedrige Ergebnis bei Anhänger*innen der Rechten mag auf den niedrigen Stichprobenumfang zurückzuführen sein.

Die Ausländerfeindlichkeit ist allerdings fast gleichbleibend eklatant hoch in Ost und West. Jede*r fünfte Anhänger*in ist ausländerfeindlich eingestellt. Ich hoffe dies lässt sich so nicht auf die Parteimitglieder übertragen. Ansonsten wäre von ca. 200 Ausländerfeinden auf einem BPT auszugehen.

Interessant ist, dass die Anhänger*innen der Piraten hier zusammen mit den Grünen die Spitzenplätze beim primären Antisemitismus belegen. Allerdings zeigt sich beim sekundären Antisemitismus eine Verschiebung von rund 5%. Der sekundäre Antisemitismus macht auch ein Großteil der Fälle aus mit denen wir laut meiner subjektiven Wahrnehmung Probleme haben. Kurz zur Erklärung von primärem und sekundärem Antisemitismus: Beim primären handelt es sich kurz gesagt um den auch in der NS-Zeit propagierten Antisemitismus der auf die Ausrottung sämtlicher Juden abzielt. Der sekundäre ist eine weitaus subtilere Form die sich auch nicht eindeutig von Israelkritik abgrenzen lässt. Er äußert sich beispielweise in Aussagen über die Ausnutzung der Opferrolle durch Juden, Relativierung des Holocaust durch Vergleich mit anderen Genoziden und angebliche Tabuisierung von Israelkritik.

Fazit

Die Werte in der Anhängerschaft der Piratenpartei sind durchaus als sehr beunruhigend einzustufen. Wir sollten uns Gedanken über unser Auftreten nach außen hin machen und uns klar positionieren gegenüber jeglicher Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF).

Auch wenn diese Werte möglicherweise auch auf das Wählerpotential zurückzuführen sind, welches wir als Protestwähler o.ä. angezogen haben. In der Studie wird ganz klar deutlich, dass in der Nichtwähler und Unentschlossenen Gruppe Höchstwerte in Bezug auf GMF erzielt werden

Also lasst uns das ganz klar in Angriff nehmen und lasst unsere wirklichen Ziele klarer transportieren und dafür sorgen, dass Menschen mit menschenverachtendem Weltbild sich von uns abwenden.

PS: Trotz der hohen Ausländerfeindlichkeit sind die Piraten die einzigen die bei Menschen mit Migrationshintergrund mehr gewählt werden als bei denen ohne.