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Her mit den Spielen! Sport ist Integration

Beim Sport geht es nicht nur um Sport. Über Sport zu schreiben und das möglichst vielen Piraten – und natürlich auch anderen – zu lesen zu geben ist nicht einfach, denn die meisten hören schon auf zu lesen, wenn sie nur Sport sehen. Iiiieh Sport, der nächste Jubel auf die Spiele oder irgendwas Blödes. Entweder muss derzeit Nadja Drygalla in die Überschrift geschrieben werden – dazu ist aber alles gesagt worden – oder man bediene sich eines blöden Witzes, der zum Weiterlesen animiert. Wenig überraschend nehme ich letzteres.

Also, her mit den Olympischen Sommerspielen nach Deutschland. London hat mit viel Regen gezeigt, dass Sommerspiele möglich sind, das können wir auch. Gut, bei der Eröffnungs- und Abschiedsfeier müssen wir uns was einfallen lassen, mit der Wiedervereinigung der Spice Girls können wir nicht mithalten, wir haben da allenfalls Tic Tac Toe zu bieten. Da wäre die Frage, singen sie “Ich find dich Scheiße” oder “Verpiss Dich”? Eine Eröffnung der anderen Art. Xavier Naidoo und Jule Neigel werden alle verklagen, die während der Feier ihre Lieder mitsingen, auch das überleben wir. Denn es geht doch um etwas ganz anderes, genug geblödelt.

Sport ist nicht nur Spitzensport, der Vergleich Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, Mannschaft gegen Mannschaft und der Kampf der Nationen. Der Spitzensport ist in Sportnationen nur ein Abbild davon, wie erfolgreich die Förderung des Sports im Allgemeinen funktioniert. Und das passiert auf unterster Ebene. Schulsport, Breitensport mit und ohne Vereine, in Deutschland wird sich viel bewegt. Und das beste ist: Nationenübergreifend. Die Realität ist nicht der Wettkampf mit anderen Nationen, sondern gemeinsames Trainieren und sich persönlich mit anderen messen, egal mit wem. Im Ruderverein gibt es statt des Deutschland-Achters eher den Welt-Achter, in der Laufgruppe spielt es keine Rolle, welche Religion jemand hat oder aus welchem Land er kommt. Es geht ums Laufen. Und so ist das in jeder Sportart. Die Lust an der Bewegung, am gegenseitigen oder gemeinsamen Messen ist das was zählt, egal mit wem. Und neben dem gesundheilichen Aspekt ist das die Haupaufgabe des Sports, integrieren, Fremdenfeindlichkeit abbauen. Der Sport leistet hier eine große Menge, als Frankfurter kann ich aus meiner Stadt berichten, was hier Sport ist.

An schönen Tagen sind das Mainufer, der Stadtwald und die verschiedenen Parks voll mit Joggern, welche auch in großer Zahl an den vielen verschiedenen Volksläufen teilnehmen. Allen voran die größte Laufveranstaltung der Welt, die JP Morgan Corporate Challenge mit rund 70.000 Teilnehmern. Der Main ist voll mit Ruderbooten und beim Tuesday Night Skating erscheinen regelmäßig weit über 1000 Teilnehmer.

Beim Marathon stehen 350.000 Menschen an der Strecke um die Läufer anzufeuern. Und zwar jeden, egal woher, egal wie schnell, es wird bejubelt, dass Menschen an ihre Leisungsgrenze gehen. Die hier beheimateten Profivereine ziehen ebenfalls zahlreiche Zuschauer an. Die Frankfurter Ultras sind europaweit für ihre Choreographien bekannt, die Spiele der Galaxy waren jedesmal eine unglaubliche Party auf den Rängen und nach dem Ende der NFL Europe haben die Fans mit Frankfurt Universe einfach ein eigenes Team gegründet, um weiter Spaß am Sport und Feiern zu haben. Unvergessen bleibt auch wie die Eishockeyfans einen Hallenweltrekord für Laola-Wellen aufgestellt haben. Fankultur wird in Frankfurt groß geschrieben.

Frankfurt ist auch Multikultistadt. Knapp 38% Bürger mit Migrationshintergrund bereichern unsere Stadt und das Zusammenleben funktioniert gut. Einen großen Anteil daran hat der Sport. Der Deutsche geht mit seinem türkischen Nachbarn joggen und nicht erst seit Anthony Yeboah bejubeln wir ausländische Spitzensportler. Der Kroate und der Serbe sitzen gemeinsam in der Kneipe und freuen sich, wenn ein Mazedonier ein Tor für die Eintracht schießt, genau so wie sich jeder über ein Tor von Deutschland freut, egal ob es Gomez, Özil oder Müller schießt. In den Parks treffen sich regelmäßig Menschen verschiedenster Nationen zum Kicken, während nebenan ein Schwede mit einem Griechen Schach spielt. Im Tischtennisverein bekommt ein Italiener von einem Chinesen etwas beigebracht und im Schwimmbad spielt ein Pole mit einem Spanier Volleyball. Sport verbindet. Die Liebe zum Sport, aktiv oder passiv, vereint die Menschen aller Nationen, Kulturen oder religiöser Ansichten.

Aus diesem Grund ist es unerlässlich, die Sportförderung im Breiten- und Spitzensport zu intensivieren. Sportstätten müssen ausgebaut, renoviert und saniert werden. Vereine müssen mehr gefördert werden und wir müssen auch den finanziell schwächer gestellten die Möglichkeit geben Sport auszuüben. Schulen und Schülern müssen mehr Sportmöglichkeiten zur Verfügung stehen, damit auch in Zukunft unser gesellschaftliches Zusammenleben garantiert ist. Unzählige ehrenamtliche Helfer leisten hier bereits sehr viel und gute Arbeit. Der Bund, die Länder und die Gemeinden können allerdings weit mehr dazu beitragen und auch die ansässigen Unternehmen sind aufgefordert, sich mehr zu engagieren. Jeder sollte ein Interesse daran haben, Integration zu fördern und damit auch die Lebensqualität in Deutschland zu steigern. Wir können es uns nicht leisten, noch mehr gesellschaftliche Kluften zu öffnen.

Deswegen her mit den Olympischen Spielen. Dabei möchte sich das gastgebende Land von seiner besten Seite zeigen, die Gelder für Sportförderung werden sich vervielfachen. Wer sich weder für Sport noch für schöne Feiern interessiert, der kann sich trotzdem darüber freuen, in einem immer offener werdenden Land zu leben. Selbst wenn die Olympischen Spiele 16 Tage lang ein Kampf der Nationen sind, ist es ein Fest des Friedens, des Austausches, der Integration für Deutschland, für Europa und die ganze Welt.