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Basisdemokratische Cluster

Ihr habt es vielleicht in der letzten Zeit bemerktmerkt. Wir können nicht mehr alle gemeinsam als “Partei” in der großen Gruppe an Inhalten und Aktionen arbeiten. Es zeigt sich immer wieder, dass Methoden die vor einem Jahr noch funkionierten inzwischen keine Wirkung mehr entfalten können. Die Erfahrung zeigt, dass Gruppen ab 5 bis 10 Mitgliedern ineffizient werden und eine gemeinsame Arbeit zunehmend schwieriger bis unmöglich wird.

Und größere interne Initiativen wie AKs, oder AGs kommen schnell an ihre Grenzen. Denn in ihnen bilden sich häufig schnell (informelle) Entscheidungsstrukturen aus. Und einfache Mitglieder müssen ihre Ideen den anderen Mitgliedern “verkaufen”, oder sie im großen Plenum zur allgemeinen Diskussion stehen. Und Mitglieder zur Umsetzung müssen selbst gesucht werden, sodass viele gute Ideen, die sich mit aktuellen Problemen im Aufgabenbereich der Gruppierung beschäftigen, aber nie über das Stadium der Diskussion hinauskommen.

Auch Plattformen mit vielen Teilnehmern (Mailinglisten/ Syncom) sind in solchen Fällen oft weitgehend wertlos. Es gibt zu viele Teilnehmer, die einfach nur diskutieren wollen, die offenbar wenig bis keine Bereitschaft zu inhaltlicher Arbeit, aber zu allem eine (oft kontroverse) Meinung haben. Und die diese mit Postings in und zu praktisch jedem Thema immer wieder aufzeigen müssen. Dadurch wird gerne mal aus einer Veranstaltungseinladung eine Diskussion über basisdemokratische Einladungsstrategien weil ein Workshop nur 30 Teilnehmer haben kann. Erfahrungen zeigen: Ein einzelner “Troll” kann eine komplette Diskussion über ein Thema zerstören.

Dies alles ist dem Fön-Effekt (“nichts als heiße Luft“) zuzuordnen und bringt uns als Piraten nicht weiter – schlimmer noch: Es treibt engagierte Mitglieder zur Verzweiflung, die frustriert ihre Segel streichen und langsam verschwinden.

Alle technischen Lösungsansätze sind zum Scheitern verurteilt, da es sich letztendlich um ein soziales Problem handelt. Eine sinnvolle produktive Zusammenarbeit von Menschen ist eher in kleineren Gruppen möglich, als in großen. Aber gibt es andere Alternativen?

Ja, gibt es! Eine mögliche Alternative ist die Ausbildung von Clustern, wie sie angelehnt an eine Beschreibung von Stephan Urbach beschrieben worden sind. Im Kern geht es (mir) darum, dass sich einzelne Individuen unter einer Idee locker zu einer “Wolke” versammeln. Zum Beispiel funktionieren Telecomix oder die Spackeria auf diese ähnliche Art und Weise. Entscheidend ist es, eine gemeinsame Idee zu haben und ausgehend davon ein Missionstatement für seinen Cluster zu formulieren.

Es geht im Kern darum die gemeinsame Idee weiter zu verarbeiten, zu transportieren und bei Bedarf auch zu erweitern. Wie man das im Einzelfall tut, ist eine Entscheidung, die jeder Cluster für sich selbst treffen muss. Cluster sind informelle Strukturen, die sich selbst definieren. Sie geben sich selbst vor, welches Thema “ihrs” sein soll, sie geben sich selbst vor, wie sie ihre Arbeit strukurieren wollen, sie geben sich selbst vor, wie offen ihre Arbeit ablaufen soll. Und sie können wenn sie wollen (oder müssen) sich gegenüber anderen Menschen verschließen, oder bei Bedarf auch Menschen ausschließen. Denn es sind keine offiziellen Strukturen.

Der Punkt ist: Innerhalb eines Clusters kann man besser mit anderen Menschen gemeinsam eine Idee aufbauen um dann später erst die “fertige Idee” der Öffentlichkeit zum Fraß vorzuwerfen. Dadurch kann man erstens eine größere Basis für die Ausformulierung seiner Idee und erfährt zunächst einmal mehr Zustimmung – anstatt das die Idee im Stadium einer “kleinen Pflanze” von den immergleichen Diskutanten auf Mailinglisten niedergemacht wird.

Es geht übrigens nicht darum eine möglichst homogene Gruppe zu finden, sondern nur eine, die sich unter einer gemeinsamen Idee versammeln kann/ will. In einem Blogbeitrag hat Stephan etwas ausführlicher beschrieben, wie man so einen Cluster aufbauen kann.

Aber ist das nicht Intransparent? Nein, denn: Es sind keine offiziellen Strukturen, sie haben keine besonderen Rechte gegenüber irgendwem (außer den Mitgliedern). Im Grunde das selbe wie ein virtueller Stammtisch, mit Teilnehmern, die sich selbst gegenseitig gefunden haben. Wichtig ist, dass ihr eure Ergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, wobei euch natürlich überlassen ist, in welcher Form und in welchem Umfang ihr das tut.

Also: Sucht euch Leute mit ähnlichen Idee, schließt euch in Clustern zusammen und stellt erst eure gemeinsam erarbeiteten Ideen dann in der Öffentlichkeit zur Diskussion. Ihr müsst nicht immer alles in der großen “basisdemokratischen” Gruppe machen.

Und falls ihr euch jetzt fragt, ob diese Cluster nicht eigentlich Crews sind… Es ist völlig egal als was ihr euren Cluster bezeichnet, ob Squad, Crew, Elitekommando, Stammtisch oder Kaffekränzchen. Das einzig Wichtige ist, dass ihr euch damit wohl fühlt.

Update: Ich habe ein paar Formulierungen im Text verbessert um etwas herauszustellen, dass es sich nicht um die gleiche Definition wie bei Stephan Urbach handelt. (25.07.12 um 16:50 Uhr)