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Über nplhse

Mensch. Medizinstudent. Pirat. Hesse aus Marburg. Blogger und Podcaster. Oder so ähnlich.

Kandidatenvorstellungen für die LTW-Liste als Podcast

An dieser Stelle ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich (@nplhse) biete allen Menschen, die für einen Platz auf der Liste zur hessischen Landtagswahl 2013 kandidieren wollen, eine Kandidierendenvorstellung in Form eines Podcasts an. 

Die Rahmenbedingungen sind ungefähr wie folgt: Es wird ein ~30 Minuten langes Gespräch zwischen uns geben, an dessen Anfang – nach einer kurzen Vorstellung – 10 Fragen stehen, die sich am Krähennest Kandidatencheck orientieren. Ideen dafür sammle ich hier im Pad. Falls danach noch Zeit übrig sein sollte, würde ich gerne noch ein lockeres Gespräch über Ziele und Ideen für die Arbeit im Landtag anschließen.

Die Aufnahme erfolgt entweder im Mumble oder auf dem hessischen Telkoserver und wird hier zeitnah und ungeschnitten im Podcast dieses Blogs erscheinen. Kontaktmöglichkeiten stehen in meinem Profil im Piratenwiki. 😉

Zweigespräch: Diskussion über die Frauenquote

Es folgt (aus aktuellem Anlass) ein Zweigespräch zwischen @Streitsucht und mir:

Streitsucht: Los, angetreten. Diskussion über die Frauenquote!

nplhse: Was willst du denn überhaupt diskutieren?

Streitsucht: Guten Tag, es gibt das Pro und Contra zu diskutieren. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob das einen Effekt auf das Resultat haben wird.

nplhse: Ich bin mir sicher, dass diese Diskussion keinen spürbaren Effekt haben wird. Zumindest solange sich ein so großer Teil er Piraten als “Postgender” betrachtet und deswegen der Meinung ist, es gäbe kein Problem.

Streitsucht: Ich denke aber aus genau diesem Grund müssen wir das Thema noch einmal diskutieren. Es gibt Gründe. Aber fangen wir von vorne an. Wie stehst du zur Frauenquote?

nplhse: Prinzipiell löst die Frauenquote nicht das Problem als solches, von daher betrachte ich sie eigentlich als problematisch. Sie erzeugt erst einmal nur eine “künstliche” Gleichstellung von Frauen und Männern, aber es ist die einzige mir bekannte Lösung für das bekannte Problem der Ungleichheit von Geschlechtern. Denn damit sich die Einstellungen der Menschen zur Gleichstellung verändern können, muss offenbar erst die derzeitige gesellschaftlich/ kulturelle Realität, über solche Maßnahmen verändert werden.

Streitsucht: Ich kann zwar noch nicht fassen, dass ich das schreibe, aber ich bin mittlerweile ebenfalls für eine Quote. Vielleicht nicht innerhalb der Partei oder innerhalb sonstiger nicht-staatlicher Organisationen, aber in Wirtschaft und staatlichen Strukturen (hierfür fällt mir kein besserer Begriff ein… gemeint sind Ämter).

nplhse: Aber eine Partei ist doch auch eine Struktur in diesem Staat? Letztendlich sogar eine sehr wichtige, da sie die politischen Willensbildung dient.

Streitsucht: Das kommt darauf an, finde ich. Unsere Partei führt kein Register über das Geschlecht. Wir können schwer festlegen, was eine sinnvolle Quote ist. Des Weiteren gilt bei Vorständen, dass sie im Hintergrund arbeiten sollen und eben nicht primär die Partei vertreten. Da ist das Geschlecht total egal.

nplhse: Und das ist auch gut so, wir befinden uns prinzipiell auf einem guten Weg die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts eines Menschen zu überwinden. Aber anzunehmen wir hätten das Ziel bereits ereicht, indem wir einfach erklären “Postgender” zu sein, funktioniert offensichtlch nicht. Und darum müssen wir Maßnahmen wie eine Frauenquote ernsthaft in betracht ziehen.

Streitsucht: Meinen Sinneswandel muss ich begründen. Noch vor wenigen Monaten sah ich die Quote sehr kritisch. Sie ist eine Ungleichbehandlung. Als empathischer Mensch konnte ich mich in den Bewerber hineindenken, der lange auf ein Ziel, den Aufstieg innerhalb eines Unternehmens, hingearbeitet hat und dann aufgrund der Quote nicht genommen wird. Auch wenn er faktisch vielleicht der bessere Kandidat gewesen wäre. Aber das zählt hier weniger, als eine viel wichtigere Erkenntnis: Die Ungleichbehandlung, die vor allem im Arbeitsleben sehr deutlich wird, ist ein Relikt aus der Vergangenheit, ein Fehler, den schon unsere Väter hätten lösen müssen.

Wir als aktuelle Generation haben sehr sehr viele Altlasten mitbekommen. Man muss nur Energiewende oder Atommülllager erwähnen. Das sind aktuelle Probleme, die unsere Generation lösen muss. Ähnlich verhält es sich mit der Frauenquote. Die Ungleichbehandlung muss weg. Wir können jetzt noch 20 Jahre warten und hoffen, dass es besser wird oder einfach akzeptieren, dass wir (Männer) zurückstecken müssen, falls die Zukunft besser werden soll. Wichtig ist aber, dass eine solche Regelung befristet ist und keine dauerhafte Lösung darstellt.

nplhse: Die Ungleichbehandlung ist nun einmal gesellschaftiche Realität, auch innerhalb der PIRATEN. Denn es ist mit nichten so als hätten Männer und Frauen die gleichen Chancen, wenn sie für Ämter oder Mandate innerhalb der PIRATEN kandidieren, wie alle bisherigen Listenaufstellungen gezeigt haben. Und auch Konzepte wie das “Kandidatengrillen” sind eher eine Art Männlichkeitsritual, die Kandidaten müssen sich dabei in einer Art Duell gegenüber dem Publikum beweisen. Sie müssen sich möglichst gut präsentieren, Fragen und Einwände möglichst gut parieren. Das erscheint mir ein typisch männliches Verfahren zu sein, in dem sich “der Beste” (männlich!) gegen alle anderen durchsetzt.

Streitsucht: Für das Problem fällt mir keine gute Lösung ein. Wir können das Kandidatengrillen einfach komplett abschaffen. Es gäbe dann keine Fragerunde mehr auf dem Parteitag. Die Fragen sollen alle im Vorfeld geklärt sein. Dennoch finde ich es wichtig eine Person auf dem Parteitag sprechen zu hören, zu erleben. Wie tritt die Person auf, wie argumentiert sie? Das sind subjektive Eindrücke, die ich brauche.

nplhse: Du hast natürlich Recht und ich will auch nicht die Vorstellung und Befragung von Kandidaten/innen auf einem Parteitag abschaffen, denn das sind wichtige Aspekt für die Wahl von Menschen. Aber es gilt die Art und Weise zu hinterfragen wie das passiert. Wir treten öffentlich immer für problemorientiete Politik ein, deshalb sollten wir einfach verschiedene Verfahren ausprobieren und anschließend die Ergebnisse evaluieren. Man könnte zum Beispiel nur Fragen aus einem gemeinsamen Pool für alle Kandidaten/innen zulassen und spezielle Fragen an Einzelne ausschließen.

Streitsucht: Das klingt nicht ganz so radikal, wie meine Idee die Fragerunde abzuschaffen. Dennoch könnte ich mich damit abfinden. Die Fragen können über ein Meinungsbildtool vorher abgefragt werden, die 10 häufigsten sollten mündlich beantwortet werden.

nplhse: Der für mich entscheidende Punkt daran ist, wir müssen uns als Partei endlich engestehen, dass da ein ernsthaftes Problem ist. Was das angeht bin ich prinzipiell optimistisch, aber vermute, dass es noch einige Zeit brauchen wird. Ich weiß nicht ob die letzte Konsequenz zwangsweise eine 50% Frauenqoute für Listen und Vorstände sein muss. Aber sie muss als Option auf den Tisch und im Idealfall auch “ausprobiert” werden. Ich meine, was könnten wir schon ernsthaft verlieren wenn wir Maßnahmen zur Gleichstellung von Geschlechern ausprobieren& evaluieren?

Streitsucht: Effektiver fände ich es, wenn Männer sich trauen würden, die diskriminierenden Alphamänner in ihre Schranken zu weisen. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, wie schwierig es ist vor versammelter Mannschaft aufzustehen und dort überhaupt nur zu sprechen. Dann noch ein Problem anzusprechen, womit man sich noch gegen einige wortgewaltige Männer stellt, ist eine ganze Ecke schwieriger.

nplhse: Das setzt aber einen kognitiven Prozess voraus, der aus der aktuellen gesellschaftlichen Situation heraus schwierig ist. Und an der Stelle kommt der große Vorteil der Frauenquote ins Spiel: Sie kommt “von oben” und erzeugt einen Zustand, der dann einfach so ist. Ein Zustand mit dem wir lernen müssen zu leben und der uns im Zweifel zum Nachdenken anregt.

Streitsucht: Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Ich glaube, wir haben es.

nplhse: Das stimmt… Aber ich habe zum Abschluss noch einen Vorschlag, an uns PIRATEN: Wir propagieren immer wieder etwas, dass wir auch als “evidenzbasierte Politik” beschreiben. Warum schaffen wir es nicht, das auf uns selbst zu übertragen? Denn wir können dabei nur gewinnen!

Das Problem ist offensichtlich, also ist uns möglich Zielkriterien zu definieren und (zeitlich begrenzt) Maßnahmen beschließen. Wenn wir feststellen, dass eine Frauenqoute keine Verbesserung in Bezug auf die Kriterien bringt, können wir an ihrer Stelle immer noch andere Verfahren ausprobieren. Und ja auch eine verordnete Gleichstellung der Geschlechter schafft Probleme, die Frage ist nur wie immer und überall: Wie ist das Verhältnis von Nutzen vs. Risiko bzw. Gewinnen vs. Verlusten? Aber das werden wir – ohne es wenigstens auszuprobieren – niemals erfahren.

Basisdemokratische Cluster

Ihr habt es vielleicht in der letzten Zeit bemerktmerkt. Wir können nicht mehr alle gemeinsam als “Partei” in der großen Gruppe an Inhalten und Aktionen arbeiten. Es zeigt sich immer wieder, dass Methoden die vor einem Jahr noch funkionierten inzwischen keine Wirkung mehr entfalten können. Die Erfahrung zeigt, dass Gruppen ab 5 bis 10 Mitgliedern ineffizient werden und eine gemeinsame Arbeit zunehmend schwieriger bis unmöglich wird.

Und größere interne Initiativen wie AKs, oder AGs kommen schnell an ihre Grenzen. Denn in ihnen bilden sich häufig schnell (informelle) Entscheidungsstrukturen aus. Und einfache Mitglieder müssen ihre Ideen den anderen Mitgliedern “verkaufen”, oder sie im großen Plenum zur allgemeinen Diskussion stehen. Und Mitglieder zur Umsetzung müssen selbst gesucht werden, sodass viele gute Ideen, die sich mit aktuellen Problemen im Aufgabenbereich der Gruppierung beschäftigen, aber nie über das Stadium der Diskussion hinauskommen.

Auch Plattformen mit vielen Teilnehmern (Mailinglisten/ Syncom) sind in solchen Fällen oft weitgehend wertlos. Es gibt zu viele Teilnehmer, die einfach nur diskutieren wollen, die offenbar wenig bis keine Bereitschaft zu inhaltlicher Arbeit, aber zu allem eine (oft kontroverse) Meinung haben. Und die diese mit Postings in und zu praktisch jedem Thema immer wieder aufzeigen müssen. Dadurch wird gerne mal aus einer Veranstaltungseinladung eine Diskussion über basisdemokratische Einladungsstrategien weil ein Workshop nur 30 Teilnehmer haben kann. Erfahrungen zeigen: Ein einzelner “Troll” kann eine komplette Diskussion über ein Thema zerstören.

Dies alles ist dem Fön-Effekt (“nichts als heiße Luft“) zuzuordnen und bringt uns als Piraten nicht weiter – schlimmer noch: Es treibt engagierte Mitglieder zur Verzweiflung, die frustriert ihre Segel streichen und langsam verschwinden.

Alle technischen Lösungsansätze sind zum Scheitern verurteilt, da es sich letztendlich um ein soziales Problem handelt. Eine sinnvolle produktive Zusammenarbeit von Menschen ist eher in kleineren Gruppen möglich, als in großen. Aber gibt es andere Alternativen?

Ja, gibt es! Eine mögliche Alternative ist die Ausbildung von Clustern, wie sie angelehnt an eine Beschreibung von Stephan Urbach beschrieben worden sind. Im Kern geht es (mir) darum, dass sich einzelne Individuen unter einer Idee locker zu einer “Wolke” versammeln. Zum Beispiel funktionieren Telecomix oder die Spackeria auf diese ähnliche Art und Weise. Entscheidend ist es, eine gemeinsame Idee zu haben und ausgehend davon ein Missionstatement für seinen Cluster zu formulieren.

Es geht im Kern darum die gemeinsame Idee weiter zu verarbeiten, zu transportieren und bei Bedarf auch zu erweitern. Wie man das im Einzelfall tut, ist eine Entscheidung, die jeder Cluster für sich selbst treffen muss. Cluster sind informelle Strukturen, die sich selbst definieren. Sie geben sich selbst vor, welches Thema “ihrs” sein soll, sie geben sich selbst vor, wie sie ihre Arbeit strukurieren wollen, sie geben sich selbst vor, wie offen ihre Arbeit ablaufen soll. Und sie können wenn sie wollen (oder müssen) sich gegenüber anderen Menschen verschließen, oder bei Bedarf auch Menschen ausschließen. Denn es sind keine offiziellen Strukturen.

Der Punkt ist: Innerhalb eines Clusters kann man besser mit anderen Menschen gemeinsam eine Idee aufbauen um dann später erst die “fertige Idee” der Öffentlichkeit zum Fraß vorzuwerfen. Dadurch kann man erstens eine größere Basis für die Ausformulierung seiner Idee und erfährt zunächst einmal mehr Zustimmung – anstatt das die Idee im Stadium einer “kleinen Pflanze” von den immergleichen Diskutanten auf Mailinglisten niedergemacht wird.

Es geht übrigens nicht darum eine möglichst homogene Gruppe zu finden, sondern nur eine, die sich unter einer gemeinsamen Idee versammeln kann/ will. In einem Blogbeitrag hat Stephan etwas ausführlicher beschrieben, wie man so einen Cluster aufbauen kann.

Aber ist das nicht Intransparent? Nein, denn: Es sind keine offiziellen Strukturen, sie haben keine besonderen Rechte gegenüber irgendwem (außer den Mitgliedern). Im Grunde das selbe wie ein virtueller Stammtisch, mit Teilnehmern, die sich selbst gegenseitig gefunden haben. Wichtig ist, dass ihr eure Ergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, wobei euch natürlich überlassen ist, in welcher Form und in welchem Umfang ihr das tut.

Also: Sucht euch Leute mit ähnlichen Idee, schließt euch in Clustern zusammen und stellt erst eure gemeinsam erarbeiteten Ideen dann in der Öffentlichkeit zur Diskussion. Ihr müsst nicht immer alles in der großen “basisdemokratischen” Gruppe machen.

Und falls ihr euch jetzt fragt, ob diese Cluster nicht eigentlich Crews sind… Es ist völlig egal als was ihr euren Cluster bezeichnet, ob Squad, Crew, Elitekommando, Stammtisch oder Kaffekränzchen. Das einzig Wichtige ist, dass ihr euch damit wohl fühlt.

Update: Ich habe ein paar Formulierungen im Text verbessert um etwas herauszustellen, dass es sich nicht um die gleiche Definition wie bei Stephan Urbach handelt. (25.07.12 um 16:50 Uhr)

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