Das ist nicht deine Partei!

Zeter und Mordio sind mal wieder an der Tagesordnung. Das interessante daran ist, dass es eigentlich gar nicht darum geht, ob sich jemand (angeblich) falsch verhält, ob jemand irgendwelche Werte mit Füßen tritt oder sonstwas. Es geht darum, dass wir eine perfekte Welt wollen. Blöderweise jeder eine andere.

Wir sind die Generation “Empört euch”. Wir sind über die Politik empört, deswegen sind wir Piraten geworden. Wir haben ein Idealbild, wie die Partei, das Land, die Welt aussehen soll. Und keine zwei Piraten haben exakt dieselbe Vorstellung. Aber wir haben grob geschätzt zu 90% dieselbe Vorstellung.

Was passiert nun? Wir empören uns! Wie kann das sein, dass da jemand nur 90 Prozent meine Denke teilt? Der spinnt wohl, das ist nun mein neuer Todfeind! Ich werde ihn bashen, bis er abhaut oder meiner Meinung ist. Und solange mein Todfeind sich wehrt, muss ich mich nicht um andere Parteien kümmern, die völlig anders denken als ich.

Das Problem ist: es wird nicht passieren, dein Todfeind denkt nämlich genauso. Und alle anderen ebenfalls. Willkommen in der Realität. Du, lieber Leser, musst wissen, es ist nicht deine Partei. Es ist auch nicht seine oder ihre oder eure oder meine Partei. Es ist verdammt nochmal unsere Partei.

Diese Partei wird niemals so sein, wie sich das einer vorstellt. NIE! Wir sind keine Klonkrieger und wir sind nicht die Borg, sondern wir sind Leute, die ihre Ideen, Ideale und Wertebasis eben nur zu 90% miteinander teilen. NEHMT DAS HIN! Jeder von uns muss irgendwann mal eine Kröte schlucken, oder zwei, oder drei. So ist das Leben, es wird nie perfekt sein.

Wir können auch sagen, hey, alles muss genau so sein, wie der Einzelne es will. Wisst ihr was wir dann erreichen? Nicht das, was jeder Einzelne will. Nicht das, was wir alle wollen. Nicht das, was uns zu 90 Prozent eint. Wir erreichen gar nichts.

Akzeptieren wir doch einfach mal, dass jeder von uns vielleicht andere Wege geht, um das zu erreichen, was wir alle möchten. Vielleicht stellen wir fest, dass der parteiinterne Todfeind von jedem einzelnen doch ein guter Freund ist, was die allgemeine politische Lage angeht.

Mir sagte mal ein etwa 80jähriger Mann, dass er die Piraten mag und dass er es toll findet, wenn die Jugend gegen die Alten rebelliert. Aber er mag keinen Kindergarten.
Recht hat er, die Zeit ist reif den Sandkasten zu verlassen.

14 Gedanken zu „Das ist nicht deine Partei!

  1. rotgl

    Es ist ein riesiger Irrtum anzunehmen, dass die Piraten untereinander eine Schnittmenge von 90% hätten. Das wäre ja deutlich mehr als in einer etablierten Partei. Wenn die Schnittmenge bei den Piraten bei 20% liegen würde, wäre das Geschrei schon nur noch halb so groß. In Wahrheit sind die Piraten die einzige Partei, wo die Opposition einem immer gegenüber sitzt. Da helfen auch keine blumigen Worte. Empörung über irgendwas (eigentlich egal was, Hauptsache mal Empörung und damit eben richtig zeitgemäß) dürfte wohl so ziemlich die einzige bekannte Schnittmenge sein.

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  2. Alchymist

    Wir teilen zu 90% dieselbe “Wertebasis”? Glaube ich gerne.
    Aber:
    – nur 90% der Parteimitglieder teilen auch 90% der Werte. Die restlichen 10% Trolle, Selbstdarsteller und Karrieristen können ganz schön viel kaputt machen
    – diese Wertebasis ist ziemlich diffus. Es ist nicht alleine das Grundsatzprogramm. Es ist so ein grundsätzlicher Ansatz, wie man die Welt hinterfragt, ein bestimmtes Menschenbild, eine Ahnung davon, wie eine bessere Welt funktionieren könnte. Da das nirgendwo so richtig definiert ist, kann man auch die “anderen 10%” schlecht darauf festnageln, dass sie nicht hinter diesen Werten stehen.
    – da wir selbst unsere “Grundwerte” nicht so richtig fassen können, haben wir auch ein massives Problem damit, es der Öffentlichkeit zu vermitteln.

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  3. Hannes-Heiner

    Nicht ganz einverstanden mit “…wenn die Jugend gegen die Alten rebelliert.” Was ist denn, wenn auch “Alte” gegen “die Alten” rebellieren??? – Dürfen die nicht zu den Piraten? 😉

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  4. Grashalm GrünGlück (@KURHOF)

    Hallo Du – das klingt so reif & richtig … und ist total falsch.
    Warum?
    1. Leute sind berechtigt genervt – in einiger Raum/Zeit(reisen)-Distanz zu zB Berlin kann ich nur inständigstes Mitleid haben;
    2. Also sind nicht unbedingt Personen mit Problemen die eigenen Täter, sondern es gibt auch massive äußere Umstände.
    3. Die Medien, insb. das Internet, ist so VERKRATZT, daß man sich nur kratzen muß.. oder voller WundEiter halb-blind um sich schlägt – wirkt sehr unreif, ist eher kaputt als gezielt.
    4. KOPFlastig wie Du im Sinne eines naiven Aufklärungs-Rationalismus des 18.Jahrhunderts argumentierst, hängt alles vom eigenen, einzelnen Kopf ab. Dazu müßten die Leute aber zB erst mal REDEN – was auf Twitter nun offiziell @schmidtlepp nicht (mehr) tut.
    5. Ganz simpel GIFTHASS erfüllt die Menschen, finde ich…. und dafür bräuchte es #GefühlsGespräche. Leider finden die nicht statt – außer wenn Kyra vorsich hin mumble-t.
    6. Wer über die KINDheit hinauskommen will – muß mit der PUBERTÄT klarkommen.
    jedoch ist unsere gesellschaft hyper-sexed und einfach sex-geHYPE-t. Insbesondere das Internet.
    7. Die Frage also ist, wie @SchwarzBlond das wegen der “unhygienischen GerüchteKüche” meinte, ob die kollektive Kommunikation zu mehr als schmutzigen Schweinen macht.
    Das ist eine GANZheitliche & GEFÜHLsbezogene Frage – der Gesellschaft.
    Kaputte, kranke Kopflasitgkeit bringt da wenig. Außer da SupaHeld hülft 😉 😀

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  5. Susanne bischoff

    … und wenn diese 90% jetzt endlich Gestalt annimmt, dann fange ich an, diese Partei ernst zu nehmen!

    Wenn diese Strategie gelingt, würden die Bürger uns wieder ernst nehmen aber nur dann.

    Hi

    Teilanalyse, warum wir so schlecht geworden sind.

    Die Piraten haben vergessen, warum sie das eigentlich machen, nämlich für die ganze Gesellschaft.

    Leider machen sie jetzt nur noch Politik für sich.

    Heute ist mir das bei Twitter wieder besonders aufgefallen.

    auf allen LPTs die ich besucht habe, gings immer nur um den Ehrgeiz seine Anträge bei den Piraten durch zu bringen.

    In so einem unglaublich wichtigem Wahljahr hätten die Anträge fürs Wahlprogramm und für die Gesellschaft an erster Stelle stehen müssen.

    Fakt ist, Anträge interner Art wie Satzungsänderungen hätten bis nach der Wahl vertagt werden müssen.

    Die Bürger waren uns gut gesonnen, allerdings haben auch die begriffen, dass wir sie vergessen haben.

    Ich versuche das jetzt zu erklären.

    Wenn man in einem Raum eine komplizierte Anlage installieren will, ist die am Anfang ein Chaos verschiedener Kabel, die ,wenn man der Strom nicht abstellt und sie sich aus versehen berühren immer einen Kurzschluß veruhrsachen.

    Um ein positives Ergebniss zu bekommen, muß man den Strom abstellen, die Kabel so sortieren und geordnet installieren, damit dann der Erfolg da ist und die Anlage positiv funktioniert.

    So könnte das auch bei den Piraten funktionieren, wenn sie bereit wären sich wieder auf das zu konzentrieren warum sie gegründet wurden.

    Nämlich um eine andere gerechtere und freiere Gesellschaft langsam auf zu bauen und die Machenschaften verschiedener Institutionen auf zu decken , und sie so zur Transparenz zu zwingen.

    Das alles wurde schon lange vernachlässigt.

    Statt dessen, versuchten viele Kandidatenplätze zu bekommen, was viel wichtiger war und jetzt wo sie Kandidaten sind ,rennen sie blind vor Ehrgeiz zu Disskussionsrunden um sich zu presentieren, ganz egal ob sie mit dem Thema vertraut sind oder nicht.
    Dabei könnten sie aus dem Vollen schöpfen, da sich zu jedem Thema Spezialisten finden lassen, die dann tolle Faktische Aufklärungsarbeit hätten machen können.

    Solange dieser Kabelsalat wild funkenströmend über den Boden zischt, hat niemand das Vertrauen die Piraten zu wählen.

    Ist ja auch logisch, denn es braucht sehr viel Mut in einen Raum ein zu treten, wo funkenströmende Kabel sich unkrontoliert bewegen , sich dort dazwischen zu bewegen um an den Sicherungskasten zu kommen, um Ruhe rein zu bringen und die Kabel dann ruhig und sicher in die richtigen Steckdosen zu sortieren.

    So jetzt dürft ihr mich alle shitstormen.

    LG Susanne Bischoff
    @moddestyblaise

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  6. Christian - Alles Evolution

    Es ist eben wahnsinnig schwer, eine ruhige Lage hinzubekommen, wenn man keine wirkliche Spitze hat und dann auch noch kaum eine Möglichkeit hat, auf Themen Einfluss zu nehmen, sondern derjenige, der am lautesten brüllt (die meisten Follower bei Twitter hat) diese vorgibt.

    Wenn die Partei eine Linie haben will, dann muss sie entweder mehr Führung aufbauen oder aber es muss sich eine Kultur entwickeln, bei der diejenigen, die Pöbeln oder ihre Meinung zu sehr in den Vordergrund stellen, sei sie richtig oder falsch, abgestraft werden.

    Beides scheint nicht gewollt zu sein.

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