Zum Rücktritt von Julia Schramm

Jetzt ist es soweit, der erste Rücktritt aus dem Bundesvorstand. Julia ist raus und viele werden sich darüber freuen. Bei jedem anderen – außer Swanhild und Sven – hätten sich vermutlich ebenfalls viele gefreut. Es gibt aber auch viele, die sich nicht freuen. Dazu gehöre ich.

Kritk ist eine Sache, Shitstorms eine andere, was Vorstände – auf allen Ebenen übrigens – teilwesie abbekommen, das ist nicht mehr feierlich. Und beim Bundesvorstand ist es logischerweise am schlimmsten, weil es da die meisten mitbekommen. Ich kenne zwar Julias Gründe noch nicht, aber ich denke es wird damit zu tun haben, dass sie ordentlich Gegenwind aus der Partei bekommen hat.

Ich hab selbst schon den einen oder anderen Shitstorm abbekommen, juckt mich nicht sonderlich. Erstaunlicherweise hab ich noch keine Morddrohungen erhalten, ich hab keine toten Tiere im Briefkasten, vergleichsweise glimpflich also. Aber ich war auch nur popliger Kreisvorstand. Ich kann mich da nicht reindenken, aber ich hätte auch wenig Lust, mir so einiges anzuhören, was Bundesvorstände zu Ohren bekommen. Klar dass man sich da irgendwann die Frage stellt, wozu mache ich das überhaupt? Leckt mich am Arsch, adios.

Motzen ist immer sehr einfach, wenn nur Berichte aus der Presse aufgenommen werden und Hintergründe nicht bekannt sind. Ogoddogoddogodd die schreiben wieder schlimme Sachen, da muss ja was dran sein, und wenn drei andere motzen wird es schon stimmen und ich kann auch mit draufhauen. Unrefflektiert wird losgeknüppelt, ohne Sinn und Verstand, denn die Außenwirkung, denkt denn keiner an die Außenwirkung!!! Wisst ihr was uns früher die Außenwirkung bedeutet hat? Einen Scheißdreck.

Parteiintern ist es üblich, nur die negativen Seiten zu sehen, die ein jeder hier leistet. All die Arbeit, die im Hintergrund geleistet wird, die steht eben nicht in der Presse, also ist es nicht wichtig? Meckern ist ja auch viel einfacher als Anerkennung. Schade eigentlich.

Was passiert eigentlich, wenn noch mehr vorstände zurücktreten? Was passiert, wenn wir – wie von einer gefühlten Mehrheit gefordert – einen neuen Vorstand im Frühjahr wählen? Wird dann alles besser, weil wir diesmal bestimmtr nur Leute wählen, mit denen jeder zufrieden ist? Oder freuen wir uns, dass wir die nächsten Säue durchs Dorf treiben können, weil es nach einem Jahr langweilig wird, immer dieselben Leute zu bashen?

Klar, auch ich bin manchmal unzufrieden mit dem Bundesvorstand, wie jeder andere auch mal irgendwann. Aber so what? Ich bin mir sicher, die machen auch viele gute Dinge und perfekt laufen wird es eh nie. Wozu auch. Und welche Erwartungshaltung haben wir denn? Wir wählen neun Menschen in den Bundesvorstand, nicht neun perfekte Klone eines aktiven Durchschnittspiraten. Und Menschen machen nunmal auch Fehler, sie lernen daraus und nächstes mal machen sie es besser. Denkt mal darüber nach, bevor ihr das nächste mal jemanden nieder macht. Und stellt euch doch nächstes mal bei Rücktrittsforderungen die Frage, wer soll es denn machen, wird es dann besser und vor allem: würdest ihr es besser machen?

7 Gedanken zu „Zum Rücktritt von Julia Schramm

  1. Radbert Grimmig

    Dieses “Früher”, als uns die Außenwirkung angeblich so egal war, war das gleiche “Früher”, in dem wir unter “Sonstige” in enem sehr flachen Balken am Ende auftauchten. Zusammen mit den Grauen und der Familienpartei.

    Ich mein ja bloß.

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  2. Torsten Schrammen

    Das Julia nicht aus ihren Fehlern lernt, sollte man spätestens seit der Spackeria wissen.

    Ich hätte gerade von den Piraten erwartet, dass diese sich besser informieren, bevor sie jemanden wählen…

    Aber Julia hat es ja auch schon im 4. Anlauf in den BuVo geschafft… Immerhin…

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  3. Matthias Weber

    Der Vorstand sollte zukünftig mehr darauf achten, dass auch positive Dinge in der “Außenwirkung” ankommen. Der Buch-Faupaux von Fr. Schramm wäre vermeidbar gewesen. Eine Naivität, Profitgier oder sonstige Motive haben sie (und die Partei) diesen außerordentlich widersprüchlichen und in der “Außenwirkung” nicht nachvollziehbaren Weg gehen lassen.

    Den Unmut über Herrn Ponader in der Öffentlichkeit kann ich nachvollziehen. Er ist sicherlich (parteiintern) überaus engagiert (was ich auch über Fr. Schramm brauchen möchte), aber schafft es nicht, in der Öffentlichkeit ein Profil zu entwickeln. Nein, er fällt vielmehr nur negativ auf. Wieder einer, der einer relativ positiven “Außenwirkung” der Partei im Wege steht.

    Ich finde, dass solche Personen, die die Partei vertreten aber nicht imstande sind, eine (möglichst) positive/s “Außenwirkung”/Profil zu erzeugen, müssen überprüfen ob sie nicht in einem konfliktären Verhältnis zur Partei stehen. Offensichtlich hat Fr. Schramm ein solchen erkannt. Glückwunsch.

    Ich fände es schade, wenn die Idee der Piratenpartei aufgrund einige weniger Menschen peux à peux verloren ginge. Daher begrüße ich den Rücktritt.

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  4. Herbert Förster

    Moin,

    danke Stefan. Niemand von uns ist ohne Fehl. Nur bei den meisten werden Fehler nicht öffentlich.
    Klar, die Öffentlichkeitswirkung könnte besser sein. Solange wir unsere gefühlten Grundsätze nicht schriftlich formuliert und beschlossen haben sollten wir auf niemanden damit einprügeln.

    Beste Grüße

    Herbert

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